Der große Sieger der Bundestagswahl ist die AfD – sie konnte ihren Stimmenanteil fast verdoppeln. Im SPIEGEL beschreibt Maria Fiedler Gründe für das hohe Ergebnis der AfD.
Grund 1: Die rechtsextreme Stammklientel bleibt der AfD treu
Zwar macht Friedrich merz vor allem die Ampel für das Erstarken der AfD verantwortlich, Studien zeigen aber, dass die AfD mittlerweile über ein Stammwählerschaft verfügt. Sie wählen die Partei nicht trotz sondern wegen ihres Extremismus.
Ihre Stammwähler hält die Partei geschickt über ein weitverzweigtes System aus Social-Media-Kanälen, YouTube-Angeboten und Messenger-Nachrichten bei der Stange.
Grund 2: In Deutschland machen sich Unsicherheit und Überforderung breit
Viele äußere Gründe haben die Wähler verunsichert. Die Corona-Krise, der Krieg in der Ukraine und die daraus folgende Energiekrise, die Sorge um die Wirtschaft - Viele Menschen empfinden Ohnmacht und Angst. Gleichzeitig hat die Ampel gesellschaftliche Veränderungen vorangetrieben: schneller Einbürgerung, die leichtere Änderung des Geschlechtseintrags, die Cannabislegalisierung, das Heizungsgesetz.
Steffen Mau hat Menschen beschrieben, „die sich von Veränderungsprozessen überrollt sehen", besonders viel Wut auf die politischen Verhältnisse entwickeln. Dem Verlangen sich unbequemer Problemlagen zu entledigen verspricht die AfD.
Grund 3: Vertrauen in die Politik ist verloren gegangen
Die Ampel-Regierung ist verantwortlich, dass Vertrauen verloren ging. Die Partner redeten Kompromisse schlecht, kaum waren sie geschlossen. Kanzler Olaf Scholz schaffte es nicht, Sicherheit in unsicheren Zeiten zu bieten. Der Dauerstreit führte dazu, dass viele Menschen den etablierten Parteien insgesamt nicht mehr zutrauten, die Probleme dieses Landes zu lösen. Dies bestätigte das zentrale Narrativ der AfD: die etablierten Parteien seien unfähig und regierten an der Bevölkerung vorbei.
Grund 4: Vieles drehte sich um Migration als Gefahr
Migration war das bestimmende Thema – spätestens nach den Anschlägen in Magdeburg und Aschaffenburg. Der Tabubruch von Merz, der gemeinsam mit der AfD eine Mehrheit suchte. Unter dem Eindruck der Gewalttaten wurde in diesem Wahlkampf Migration fast ausschließlich als Gefahr diskutiert. Es ging nicht um Integration, sondern nur um Abschiebungen. Die AfD konnte sich als Original präsentieren, eine eigene Wahlkampfstrategie brauchte sie nicht .
Grund 5: Der AfD gelingt die Selbstverharmlosung
Durch die Ernennung einer Kanzlerkandidaten wollte sich die Partei als normale Partei auftreten. Weidel trat in zahlreichen TV-Sendungen auf und übte sich in Selbstverharmlosung.
Zur fortschreitenden Normalisierung der AfD trug der Wahlaufruf von Techmilliardär Elon Musk in der »Welt« bei, die gemeinsame Abstimmung mit der CDU im Bundestag und die Rede von US-Vizepräsident J.D. Vance bei der Münchner Sicherheitskonferenz. Erfolgreich behauptete Weidel immer wieder, dass es eine Machtperspektive für die AfD – auch wenn dies Merz ablehnt.