Donnerstag, 17. November 2022

Trumps Kandidatur – ein Dauerwahlkampf droht

Trotz des schlechten Ergebnisses seiner Kandidaten hat Donald Trump eine erneute Präsidentschaftskandidatur angekündigt. Hier stelle ich einige Analysen vor:

Der Commander und der Clown

Rene Pfister zeigt im SPIEGEL den Kontrast zwischen Trump und Biden. Während Biden bei der G20-Konferenz über schwierige Probleme verhandelt, ist Trump in seiner Plüschresidenz. Bei seiner Bewerbungsrede nennt er kaum einen neuen Grund, warum man ihn nochmals ins Weiße Haus wählen sollte.
Mit Florias Gouverneur Ron DeSantis und dem früheren Vizepräsident Mike Pence gibt es bereits zwei mögliche Gegenkandidaten. Aber auch bei den Demokraten gibt es den Wunsch nach einem Generationenwechsel, bei der Wahl 2022 wird Biden 82 Jahre alt sein.  

Ein Dauerwahlkampf droht

Fabian Fellmann befürchtet in der Süddeutschen Zeitung einen Dauerwahlkampf: "Nun wird Trump versuchen, alle Aufmerksamkeit aufzusaugen. Er wird das Land nun zwei Jahre lang in einen Status permanenten Wahlkampfs ziehen, in einen Status permanenter Aufregung." Dennoch werden Trumps Gegner nicht zögern, ihn auszuschalten, wenn es eine Gelegenheit gibt. 

Fluch und Segen für die Demokraten

Trumps Kandidatur bedeutet Segen und Fluch für die Demokraten kommentiert Christian Zaschke in der Süddeutschen Zeitung. Nach seinem Wahlsieg 2016 hat Trump nun dreimal gegen die Demokraten verloren. Viele Demokraten halten ihn deshalb für den leichteren Gegner. „Doch wer ihn jetzt unterschätzt, begeht einen womöglich historischen Fehler.“ Er hat weiterhin überzeugte Anhänger und auch 2016 hat man ihn lange nicht ernst genommen. Zaschke kritisiert auch die perfide Strategie der Demokraten, die bei den Vorwahlen der Republikaner zu den Kongresswahlen besonders radikale Kandidaten unterstützt haben. Die Rechnung ging zwar am Ende in den meisten Fällen auf, es könnte aber auch sehr dubiose Kandidaten in Ämter bringen.

Dienstag, 15. November 2022

US-Zwischenwahl: Team Normal besiegt Team Crazy

Viele Kommentatoren freuen sich, dass die erwartete rote Welle – ein Sieg von Trumps Republikaner – bei der Wahl ausgeblieben ist.

Team Normal besiegt Team Crazy

Roland Nelles schreibt im SPIEGEL, dass das Team Normal das Team Crazy besiegt hat. Es war eine zivilisierte Wahl, wegen Trump und seinen extremistischen Kandidaten haben die Republikaner den erhofften großen Sieg bei der Wahl verpasst. Das ist kein Grund sich zurückzulehnen, etliche Trumpisten mit verrückten politischen Ansichten sitzen im Parlament. Außerdem gibt es immer noch Millionen Menschen, die die irrsten Verschwörungsmythen aus dem Netz glauben und die politisch Andersdenkende wie Feinde behandeln.

Abteilungsfrage entschied die Zwischenwahlen

Ein wichtiger Grund für das relativ gute Abschneiden liegt in der Abteilungsfrage, argumentiert Peter Burghardt in der Süddeutschen Zeitung. Nachdem der Supreme Court das Grundsatzurteil über Abtreibungen gekippt hatte, machten das viele Demokraten zum Thema Nummer eins. Selbst manchen Wählern der Republikaner wäre die Verschärfung zu viel gewesen, in zahlreichen Referenden sprachen sich die Wähler gegen eine Verschärfung aus bzw. ermöglichten legale Abtreibungen in ihren Bundesstaaten.

Die Teufelsaustreibung

Rene Pfister geht in seinem Beitrag für den SPIEGEL auf den neuen Hoffnungsträger der Republikaner ein – Ron DeSantis. Dem 44jährigen gelang bei den Gouverneurswahlen ein souveräner Sieg. Er ist ein rechter Kulturkämpfer, kämpft gegen die angebliche Wokeness, wahrt aber jenes Quäntchen Seriosität, um Wähler der Mitte zu überzeugen. Seine Kandidatur könnte auch Biden eine Möglichkeit geben, sich auf ehrenvolle Art und Weise zurückzuziehen.

Die demokratische Auszehrung der USA scheint erst einmal gebannt

Stefan Kornelius schreibt im SPIEGEL „Die Amerikaner haben Trump abgewählt“. Die Wähler haben zahlreiche Kandidaten von Trump nicht gewählt: Die demokratische Auszehrung der USA scheint gebannt. Mit dieser Zwischenwahl endet also der zweite Akt in der Befreiung von Donald Trump. Wie viele Akte das Schauspiel insgesamt haben wird, ist ungewiss.

Mittwoch, 9. November 2022

Die Lehren aus der Zwischenwahl – so tief gespalten wie eh und je

Der SPIEGEL Newsletter zitiert die New York Times mit Lehren aus der Zwischenwahl

Die Basis der Demokraten ist zur Wahl gegangen

In Trumps vergangener Amtszeit hatte die Wahlbeteiligung bei Midterms einen neuen Rekord erreicht – in der laufenden Wahl könnte sie ähnlich hoch sein, wohl auch aus Angst der Parteien voreinander.

Die Abtreibungsdebatte war das zentrale Thema, 

Mit diesem Thema konnten die Demokraten ihre Basis mobilisieren.

Trump hat den Republikanern schwache Kandidaten aufgehalst. 

Die Demokraten hätten oft ihre politischen Wunschgegner bekommen. »Trump spielte vom Mar-a-Lago aus den Königsmacher und verlangte von den Kandidaten, dass sie seinen Lügen über die gestohlenen Wahlen 2020 Glauben schenken«, schreibt die »New York Times«. Im Anschluss hätten die Demokraten ihre radikalen Kontrahentinnen und Kontrahenten im Wahlkampf als zu extrem dargestellt. 

Die Inflation war ein zentrales Thema 

mit dem sich die Demokraten schwertaten.

Das Land ist so tief gespalten wie eh und je. 

Es habe kaum Wechselwähler gegeben. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern, der Hautfarbe, dem Einkommen und Ausbildungsstatus sind weiterhin groß.

Sonntag, 6. November 2022

Die USA vor den Kongresswahlen

Drei eindrucksvolle Dokumentationen zeigten ARD und ZDF in der letzten Woche

Trumps langer Schatten

In seiner Dokumentation "US-Wahl: Trumps langer Schatten" zeigt USA-Korrespondent Elmar Theveßen, mit welchen Mitteln Anhänger der republikanischen Partei versuchen, das Vertrauen in die Wahlen zu erschüttern. Gegner werden zunehmend als Feinde angesehen, der Hass steigert sich in Hassphantasien. Besonders schockierend fand ich eine Szene, in der eine Trump-Anhängerin in einer Kirche phantasiert, dass man die Clintons wohl enthaupten müsste.  

Trump, Biden, meine US-Familie und ich | Reportage & Dokumentation

Zwei Jahre nach der sehenswerten Dokumentation hat sich Ingo Zamperoni wieder auf den Weg gemacht und seine Familie getroffen und eine weitere Dokumentation gedreht. 
Seit der Abwahl Donald Trumps haben sich die Gräben in den USA weiter vertieft
In der Familie seiner Frau gibt es sowohl überzeugte Trump-Anhänger und Gegner. Immerhin setzen diese sich noch ein Tisch, wobei es manchmal auch heiß herging.
Auch hier beeindruckten mich einige Zitate:
Einer der Cousins Ihrer Frau sagt, er wähle eben für seinen Geldbeutel, und soziale Themen werde er vielleicht mal berücksichtigen, wenn er sich das leisten könne.
Ein anderer Verwandter betonte, dass es nichts Unpolitisches mehr gibt, die Gesellschaft ist tief gespalten und kann sich nicht einmal mehr auf ein Wahlergebnis einigen.

Trumps Erben

In einer ARD-Dokumentation Trumps Erbe(n) werden junge Konservative präsentiert. Sie kennen das USA von heute, Aber sie setzen ihre ganze Kraft und Energie für ein Amerika von früher ein, in dem aus ihrer Sicht noch alles besser war. Das Abtreibungsurteil von Juni soll erst der Anfang sein für eine große erzkonservative Welle: nicht nur das Verbot von Abtreibungen, sondern auch das Verbot von Verhütungsmitteln, von gleichgeschlechtlichen Ehen, von Einwanderung, das Aufweichen der Trennung von Kirche und Staat - auch hier bleibt man stauend und verzweifelt zurück.