Michael Bauchmüller beschreibt in der Süddeutschen Zeitung sehr treffend die Pläne, die Entwicklungshilfe immer weiter zu kürzen bzw. auf den eigenen Nutzen zu reduzieren: „Wenn jeder nur an sich denkt, ist eben nicht an alle gedacht.“ Bereits im April hat er einen Kommentar veröffentlicht mit dem passenden Titel: „Die Welt brennt, aber Deutschland spart an der Feuerwehr“.
Hilfe zur Selbsthilfe – diesmal andersrum
Bauchmüller beschreibt die Debatte über den Haushalt des Entwicklungshilfeministeriums. Selbst die Grünen betonen, dass ein Euro Entwicklungshilfe 2,50 Euro an Exporten bringt: „Hilfe zur Selbsthilfe, diesmal andersherum: So weit ist es gekommen mit der deutschen Entwicklungspolitik.“ Der Wirtschaft geht es bescheiden, die USA ist kein verlässlicher Partner mehr, China größter Konkurrent und Russland ein Feind: Deutschland ist im Schraubstock von Autokraten und Unberechenbaren. Dennoch hält er den Fokus auf wirtschaftliche Interessen für falsch – dies führt zu einem Teufelskreis
Stabile Partnerschaften, um europäischen Werte zu transportieren
Die USA ziehen sich aus der Entwicklungszusammenarbeit zurück, Russland und China dagegen bauen ihren Einfluss zunehmend aus. Europa hat an Stahlkraft verloren, die einzige Chance, seine Werte zu transportieren, in stabilen Partnerschaften. Deutschland gibt viele Geld für Verteidigung aus - als gäbe es keine nicht-militärischen Mittel, die eigenen Interessen und auch demokratische Werte zu verteidigen. Gleichzeitig wächst die Not im globalen Süden – Engpässe bei Dünger, Wetterextreme, Kriege - verglichen mit den Sorgen des Südens sind die Wachstumsnöte des Nordens harmlos.
Stabile Verhältnisse in der Welt liegen in unserem Interesse
Die Entwicklungshilfe kann und muss effektiver werden. Aber das dahinter liegende Interesse müssen stabile Verhältnisse in der Welt sein, gerade jetzt, in denen Autokratien weltweit auf dem Vormarsch sind. Deutschland hat einiges zu bieten – verlässliche Partnerschaft mit einem klaren Kompass Richtung Freiheit und Demokratie. „Und wenn das nebenbei der deutschen Wirtschaft nützt – auch gut.“