Sonntag, 28. Juni 2020

Corona-Stresstest für Krankenhäuser bestanden?

Eine Dokumentation im ZDF schaut hinter die Kulissen deutscher Krankenhäuser. Dank massiver staatlicher Zuschüsse haben die Kliniken den Stresstest der Corona-Pandemie gut überstanden. Die grundsätzlichen Probleme sind aber nicht überstanden – im Gegenteil.

Marktgesetze machen Beteiligten das Leben schwer 

Ich habe in diesem Blog bereits über das Gesundheitswesen berichtet und das Streben nach Effizienz verteidigt. Manche Auswüchse sind aber schwer zu ertragen. Wenig lukrative Abteilungen werden heruntergefahren, um damit geldbringenden Stationen Vorrang zu geben. Besonders entsetzt hat mich, dass in einem Fall eine Abteilung für Menschen mit Behinderungen geschlossen wurden – eine Maßnahme, die zum Glück wieder rückgängig gemacht wurde.

Markt macht Medizin

Weitere Informationen finden Sie auf der Seite der ARD Markt macht Medizin,


Mittwoch, 17. Juni 2020

Die Anstalt - Was läuft schief in unserem Gesundheitssystem?

Claus von Wagner, Max Uthoff und ihre Gäste haben sich in ihrer Satiresendung "Die Anstalt" mit dem Gesundheitssystem beschäftigt. Es ist natürlich überspitzt dargestellt, aber das ist ja auch die Aufgabe von Satire – absolut empfehlenswert!

Die Folgen der Ökonomisierung im Gesundheitssystem

In der Sendung werden zahlreiche Fehlentwicklungen aufzeigt, die auch im Faktencheck nachzulesen sind.

Einige „Highlights“

Ärzte und Pfleger gelten im ökonomisierten Krankenhaussystem als Kostenfaktoren mit 15% Rendite. Der Vorwurf, dass vor dem Fallpauschalensystem die Kosten explodiert sind, stimmen nicht: Die Ausgaben für das Gesundheitssystem sind die letzten Jahrzehnte immer gleich geblieben. Sie betragen im Verhältnis zur Wirtschaftskraft konstant 6,5%. Scharf kritisiert werden auch Bertelsmann und Co., die mit fragwürdigen Methoden die Ökonomisierung des Krankenhauswesens vorangetrieben haben.

Zu viele Krankenhäuser?

Ein interessanter Aspekt ist auch, dass bis vor kurzem viele die Schließung von Krankenhäusern gefordert haben – auch Karl Lauterbach, der derzeit in vielen Talkshows zu sehen ist: „Jeder weiß, dass wir in Deutschland mindestens jede dritte, eigentlich jede zweite, Klinik schließen sollten. Dann hätten wir anderen Kliniken genug Personal, geringere Kosten, bessere Qualität, und nicht so viel Überflüssiges. Länder und Städte blockieren“.

Newton und Merkel stellen das neue Gesundheitssystem vor

Köstlich auch das Finale mit Merkel und Newton, in dem sie das neue Gesundheitssystem vorstellen, u.a.
  • Abschaffung des Fallpauschalensystems
  • Öffentliche Hand kehrt zurück zur Finanzierung des Krankenhaussystems
  • 10 Mrd. für ein Rettungspaket für Pfleger anständige Löhne, die sich nur noch um 5 Patienten kümmern müssen
  • Gesundheitsökonomen sollen die Regale einräumen
  • Alle Minister spenden 20 % ihres Gehalts wie in Neuseeland
Die ganze Sendung sehen Sie auf der Homepage der Anstalt.

Mittwoch, 10. Juni 2020

Unser Gesundheitssystem - die Finanzierung

Nachdem es im ersten Teil um die Grundlagen ging, folgen hier einige Anmerkungen zur Finanzierung.

Es wird viel Geld ausgegeben

Das Gesundheitssystem wird nicht kaputtgespart, im Gegenteil sind die Ausgaben in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Nach der USA und der Schweiz geben wir pro Kopf weltweit am meisten Geld aus. Die USA und teilweise auch Deutschland zeigen, dass das Geld nicht unbedingt das einzige Kriterium für ein leistungsfähiges Gesundheitssystem ist.

Fallpauschalen als Ursache für viele Probleme

Viele Beobachter*innen sehen in der Einführung von Fallpauschalen eine Ursache für die aktuelle Probleme. Dies ist auch nicht von der Hand zu weisen: Hohe Preise für vermeintlich lukrative Operationen haben dazu geführt, dass eher künstliche Hüftgelenke eingesetzt werden und selbst an Schwerkranken noch Operationen vorgenommen werden, damit die Kasse stimmt.

Einfach zurück geht nicht

Man sollte aber das Finanzierungssystem der Vergangenheit nicht idealisieren. In der Zeit vor den Fallpauschalen wurden Krankenhäuser für belegte Betten bezahlt. Während wir jetzt „blutige Entlassungen“ haben (das heißt wirklich so), gab es damals den finanziellen Anreiz, Menschen lieber ein Tag länger im Krankenhaus zu belassen, wenn das Bett nicht neu belegt werden konnte.

Gesundheit ist kein Produkt wie viele anderen

Die Forderung nach effizientem Arbeiten auch im Gesundheitssektor ist durchaus gerechtfertigt. Effizient arbeiten bedeutet, ein Ziel oder Ergebnis mit einem möglichst geringen Einsatz zu erreichen. Die Frage ist aber, ob die Methoden der letzten Jahre hilfreich waren, denn Gesundheit ist (zum Glück) kein Wirtschaftsgut wie jedes andere. Es ist möglich immer schneller immer bessere Autos bauen, bei der Pflege eines Menschen ist dies (zum Glück) nicht möglich. Hier brauchen wir dringend ein Umdenken.

Wir müssen (noch) mehr Geld ausgeben

Die Corona-Krise wird hoffentlich bald vorbei sein, die Probleme des Gesundheitssystem bleiben. Die Pfleger*innen werden sich zurecht nicht mit dem Applaus zufriedengeben und mehr Geld fordern. Werden wir bereits sein, durch höhere Steuern und Abgaben diesen Wunsch zu erfüllen?

Freitag, 5. Juni 2020

Unser Gesundheitssystem - Grundlagen

Bereits vor der Corona-Krise gab es Kritik an unserem Gesundheitssystem und den Wunsch nach Veränderung. Durch die Corona-Krise wurden einige Schwachpunkte sehr deutlich. Die Pfleger*innen werden sich zurecht nicht damit zufriedengeben, dass sie zurzeit Beifall und Anerkennung bekommen. In einem ersten Schritt gehe ich auf die Grundlagen ein, bevor es in weiteren Beiträgen um die umstrittenen Fallpauschalen und verschiedenen Reformvorschlägen komme.

Ein emotionales und umstrittenes Thema

Es ist ein emotionales Thema, denn was ist schon wichtiger als die (eigene) Gesundheit. Das Thema beschäftigt mich seit vielen Jahren, seit sich ein Teilnehmer einer Bildungswerkstatt nach der Lektüre des Buchs „Die letzte Flucht“ von Wolfgang Schorlau das Thema gewünscht. Schorlau beschäftigt sich mit den Machenschaften und stellt dazu zahlreiche Materialien zur Verfügung.

Hohe Ausgaben und hohe Erwartungen

375 Mrd. Ausgaben - rund 12 % des Bruttoinlandsprodukts – die Summe, die ins Gesundheitssystem sind beeindruckend. Pro-Kopf gesehen leistet sich Deutschland nach USA und der Schweiz das teuerste System. Dennoch haben viele (alle?) der rund 7 Millionen Beschäftigten im System den Wunsch, einen größeren Teil des Kuchens zu bekommen.

Besonderheiten des Gesundheitssystem

Das deutsche Gesundheitssystem zeichnet sich durch einige Besonderheiten aus. Historisch begingt ist die Unterscheidung zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung, die sich in Aufbau, Finanzierung und Struktur unterscheiden. Rund 71 Millionen in Deutschland sind Mitglied in einer 109 gesetzlichen Krankenversicherungen. Sie zahlen ihren Beitrag nach Einkommen und haben den gleichen Leistungsanspruch. Die Privatversicherten können zwischen unterschiedlichen Tarifen wählen und zahlen Prämien nach Kriterien wie Alter, Gesundheitszustand und Beruf.
Weitere Besonderheiten sind die Trennung zwischen ambulanter und stationärer Behandlung und ein kaum durchschaubares System der Selbstverwaltung.

Weitere Informationen

Bundeszentrale für politische Bildung: Dossier Gesundheitswesen
Sozialpolitik aktuell: Gesundheitswesen