Samstag, 25. Oktober 2025

Sind die Vereinten Nationen noch zu retten?

Xifan Yang analysiert in der ZEIT, ob die Vereinten Nationen noch zu retten sind – und das am 80. Geburtstag der Organisation. Ich biete ein Seminar zu diesem Thema. 
 

Zum 80. Geburtstag gibt es viel Kritik 

Die Vereinten Nationen werden von vielen Seiten kritisiert. Die Autorin zitiert einen Beamten, der sie als alten Messie bezeichnet, der sich nicht mehr zurecht findet. Die Wände bröckeln, das Haus könnte einstürzen. Auch Donald Trump fällte ein hartes Urteil, als er bei der jährlichen UN-Generalversammlung sprach: "Die UN lösen keine Probleme, sie schaffen Probleme."

Die Vereinten Nationen stecken in der Krise 

Die Vereinten Nationen stehen in der schwersten Krise seit ihrer Gründung 1945: Nie gab es mehr Kriege und Krisen, Mitgliedstaaten ignorieren das Völkerrecht und die Menschenrechte, der UN-Sicherheitsrat ist gelähmt, andere Gremien sind fast bedeutungslos geworden. 
Der Apparat ist aufgebläht, andererseits bedrohen die fehlenden Beitragszahlungen die Arbeit. Gespart werden muss an Personal und humanitärer Hilfe, Millionen Geflüchtete verlieren ihre Unterkünfte, in Afghanistan mussten mehr als 400 Kliniken schließen. Auch Deutschland hat die Gelder zusammengestrichen - für den ehemalige Direktor des UN-Entwicklungsprogramms Achim Steiner spiegelt sich darin ein "neuer politischer Darwinismus unserer Zeit". 

Sind die UN unreformierbar?

China oder die Golfstaaten könnten die westlichen Zahlungsausfälle kompensieren, weigern sich aber mit dem Verweis auf die Verantwortung für die weltweiten Probleme. Auch die Vereinten Nationen tragen Schuld an der finanziellen Misere: Über die Jahrzehnte ist ein verwirrendes Geflecht von Hauptorganen, Sonderprogrammen und Spezialmissionen angewachsen. 2024 gab es 27.000 Sitzungen, hinzu kommen 40.000 aktive UN-Mandate. Ein Reformprogramm zur Verbesserung der Abläufe ist bisher gescheitert. UN-Generalsekretär António Guterres gilt als zu zaghaft, hat aber auch wenige Möglichkeiten, da jedes Land und jedes Organ seine Pfründe verteidigen. 

Politische Lähmung 

Besonders der UN-Sicherheitsrat als wichtigstes Gremium ist blockiert, so konnte in kaum einen Konflikt eine verbindliche Resolution verabschiedet werden.  Eine unteranderem von Deutschland geforderte Reform ist derzeit fast chancenlos.   Im Menschenrechtsrat führen autoritär regierte Staaten wie China oder Saudi-Arabien Beschlüsse regelmäßig ad absurdum. Auch hier sieht es nicht nach Reformen aus – eher würden wichtige Staaten das Gremium abschaffen. 

Konzentration auf Friedenssicherung und humanitäre Hilfe 

Die Autorin fordert, dass sich die UN auf ihre Kernkompetenzen Friedenssicherung und humanitäre Hilfe konzentrieren. In der Entwicklungsarbeit sind die Weltbank und China effektiver, das Pochen auf Menschenrechte bringt derzeit wenig. Erfolgreicher sind regionalisierte Einsätze, allerdings birgt die Gefahr, dass manche Konfliktgebiete in Vergessenheit geraten. 

Noch ist nicht alles verloren

Bestimmte Schrumpfungsmaßnahmen würden der UN gut tun, auch durch eine Verlagerung von UN-Büros weg von New York und Genf. Die Mehrheit der Mitgliedstaaten bekennt sich immer noch zum Prinzip des Rechts – gerade viele kleine Länder hoffen auf die Vereinten Nationen. Auch Befürworter des Prinzips der Stärke nutzen die Generalversammlung für einen Auftritt. 

Unglaubliche Erfolgsgeschichte 

Trotz allem gab und gibt es viele Erfolge: Eine Institution, geboren aus dem Horror zweier Weltkriege, hat Bürgerkriege befriedet und Millionen Menschen vor dem Hungertod bewahrt. Krankheiten wurden ausgerottet, Wahlen gesichert, Regeln aufgestellt. Es ist die einzige Organisation, in der alle 193 Mitgliedstaaten formal gleichberechtigt zusammen kommen. 
Die Autorin zitiert abschließend einen Beamten, der die Verbreitung von Optimismus als Aufgabe sieht. Sie folgert daraus, dass man die Diagnose anders stellen muss: Der Patient ist krank. Optimismus ist seine Berufskrankheit.

Samstag, 11. Oktober 2025

Was hilft gegen die AfD?

In einem Interview in der Süddeutschen Zeitung argumentiert die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin Nicola Fuchs-Schündeln, dass vor allem wirtschaftliche Unzufriedenheit zu den Erfolgen der AfD führt. 

Zersplittertes Parteiensystem, veränderte Wählergruppen 

Am Beispiel der Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen zeigt Fuchs-Schündeln, dass die Parteien ihre traditionellen Milieus nicht mehr erreichen. Ohnehin existieren diese Milieus nicht mehr, so sind Arbeiter eine sehr heterogene Gruppe, Niedriglöhner sind oft eher Dienstleister, wie z.B. Essenslieferanten. 

Populistische Parteien werden stark, wenn die Daseinsfürsorge nicht funktioniert 

Ihr Forschung zeigt, dass populistische Parteien stark werden, wenn die Infrastruktur vernachlässigt wird, die Straßen und Turnhallen nicht in Ordnung sind. Dies zeigt sich oft im vergleichsweise armen Ruhrgebiet. Die Menschen sind unzufrieden über die Daseinsfürsorge, obwohl wir in einem reichten Land lebt. Viele Wähler sind verzweifelt: Die etablierten Parteien hatten ihr Chance, haben es aber nicht hinbekommen.

Ärmere Regionen sind besonders anfällig 

Einen weiteren Effekt für den Erfolg von Rechtspopulisten sieht die Forscherin in der mangelnden Hoffnung auf ein besseres Leben. Leben Menschen in ärmeren Landstrichen, die einen wirtschaftlichen Aufschwung erleben, haben sie Hoffnung auf ein besseres Leben für sich selbst. Fehlt dies, wächst die wirtschaftliche und damit politische Unzufriedenheit.

Mehr Wirtschaftswachstum kann die Demokratie retten

Die Forscherin hofft auf Wachstum. Mit mehr Einnahmen kann der Staat die lokale Daseinsvorsorge sichern, Wachstum entschärft Verteilungskonflikte. Allerdings ist die derzeitige Wirtschaftsschwäche, sondern ein strukturelles Problem. Die Politik muss eine Vision entwickeln, wo unsere Zukunftsfelder liegen – und dann auch bewusst Neues unterstützen. Deutschland braucht neue Geschäftsmodelle und weiterhin einen starken Sozialstaat. Das wäre die stärkste Waffe gegen Wahlerfolge der AfD.

Thema bei meinen Seminaren 

Die AfD und der Rechtspopulismus sind auch bei meinen Seminaren wichtige Themen: Bei meinen Seminaren zur Demokratie und Wahlen geht es um die Gegner der Demokratie, Rechte Parteien auf dem Vormarsch und die Gefahren für unsere Demokratie. In der Rubrik Gesellschaft biete ich Seminare zum Kulturkampf, zur Spaltung der Gesellschaft und der mächtigen Idee "Nation".

Samstag, 4. Oktober 2025

Warum ist die AfD in Umfragen so stark?

Sören Müller-Hansen bietet in der Süddeutschen Zeitung vier Erklärungsansätze, warum die AfD in den Umfragen so stark ist. Die AfD ist in einigen Umfragen knapp vor oder gleichauf mit der Union. 

Erklärung 1: Wer regiert, verliert

Regierungsparteien verlieren in Umfragen – das war bei vorangegangenen Wahlen genauso. Bei 
dieser Wahl war die Stimmung schon am Wahltag nicht besonders gut, deshalb ist die Bereitschaft sich zur Regierung zu bekennen drei Jahren vor der nächsten Wahl gering. 

Erklärung 2: Wer nicht regiert, gewinnt

Ebenso üblich ist es, dass die größte Oppositionspartei profitiert: Seit 2002 stieg die Zustimmung für den Oppositionsführer, mit Ausnahme der FDP im Jahr 2005. Obwohl die AfD als deutlich rechter als 2017 angesehen wird, geben so viele Menschen wie noch nie an, die Partei wählen zu wollen.

Erklärung 3: Rechts wird normal

Für weniger Menschen ist es ein Tabu, die AfD zu wählen -politisch und gesellschaftlich gilt es als normalisiert. Da Anhänger oft Meinungsumfragen ablehnen, verweisen Insitute oft auf Verzerrung -. Mittlerweile bekennen sich aber viele Wähler zur AfD. 

Erklärung 4: Die politischen Gegner helfen der AfD

Für die Normalisierung und die guten Wahlergebnisse sind auch die anderen Parteien verantwortlich. Wenn sie Themen und Positionen übernehmen, wählen die Menschen das Original, wie zahlreiche Studien zeigen. Der Politikwissenschaftler Arzheimer sieht es kritisch, dass die Union Migration als zentrales Problem darstellt: „Damit wird ein Thema in den Schlagzeilen gehalten, von dem nur die Rechtsradikalen profitieren.“

Ausblick: Noch ist alles offen

Der nächste Bundestag wird planmäßig erst 2029 gewählt. Im nächsten Jahr könnten bei den Landtagswahlen in Ostdeutschland könnte die AfD stärkste Partei werden. Allerdings zeigen die letzten Wahlen, dass sich viele Bürger dann hinter der stärksten Partei des demokratischen Spektrums versammelt. 

Thema bei meinen Seminaren 

Die AfD und der Rechtspopulismus sind auch bei meinen Seminaren wichtige Themen: Bei meinen Seminaren zur Demokratie und Wahlen geht es um die Gegner der Demokratie, Rechte Parteien auf dem Vorrmarsch und die Gefahren für unsere Demokratie. In der Rubrik Gesellschaft biete ich Seminare zum Kulturkampf, zur Spaltung der Gesellschaft und der mächtigen Idee "Nation".