In einem Gastbeitrag in der Süddeutschen Zeitung beschreibt Natalie Amiri die Situation im Iran-Krieg als fast ausweglos: Alle sind Gefangene
Gefangen in einem selbst kreierten Dilemma
Amiri sieht die Chancen auf Kompromisse bei den Verhandlungen skeptisch: Iran und USA präsentieren sich als Sieger und gehen mit Maximalforderungen in die Gespräche. Ein Ende der Kämpfe wäre noch die beste Situation. Dem iranischen Regime könnte ein Abkommen das Überleben sichern, denn eine weitere Zerstörung wäre katastrophal für das Land. Die USA träumt vom Zustand davor, als es ein Atomabkommen gab und die Straße von Hormus frei war und die Welt mit Rohstoffen versorgt werden können. Dafür hätte es keine Bomber gebraucht, also fordert Trump immer mehr, was Iran seinerseits mit neuen Forderungen kontert. Die Akteure sind also gefangen in ihren selbst kreierten Dilemmata. Bei Zugeständnissen droht ein Gesichtsverlust – für alle, je nach Ausgang.
Droht eine weitere Eskalation?
Bei einer weiteren Eskalation könnte Trump seiner Rhetorik Taten folgen lassen. Ein Szenario, das Israels Premier Netanjahu ohnehin passen wird, der den Krieg als Teil eines langen Feldzugs sieht, an dessen Ende der Sturz des Mullah-Regimes stehen soll.
Auch Teheran steckt in einem Dilemma, aggressive Anhänger verteufeln jeden Kompromiss und könnten den Verhandlern das Leben schwer machen. Zu diesen Hardlinern gehören zwar nur rund 20 Prozent, sie haben aber im Inneren noch genug Macht. Ihre Anhänger kontrollieren den öffentlichen Raum und schüchtern die Bevölkerung ein.
Kontrolle und Propaganda
Amiri berichtet von Kontakten, die von Kontrollpunkten und massiver Propaganda berichten. Botschaften laut und schrill durch die Straßen tragen. Das wiederholt sich jede Nacht.“ Seit einigen Wochen leben die Iraner in einem Kommunikations- und Informationsblackout. Auf ausgedrucktem Papier oder auf CDs kritisieren Iraner die Situation. Nicht Drogen oder Waffen sind strikt verboten, sondern Likes, Kommentare und Software-Updates.
Massive wirtschaftliche Folgen
Zu spüren sind bereits die wirtschaftlichen Folgen des Krieges. Bereits in den letzten Jahren gehörte Inflation zum „Grundrauschen der immerwährenden Krise.“ Durch die Zerstörung von mehr als 5000 Fabriken haben Millionen Menschen ihre Arbeit verloren. Durch die Sperrung ist auch der zuletzt gewachsene Digitalsektor betroffen. Das ganze Finanzsystem steht kurz vor dem Zusammenbruch. Die Menschen sind orientierungslos und können sich fast nichts mehr leisten.
Ego des Regimes ist gestiegen
Obwohl der Krieg Irans Fähigkeiten in allen Bereichen geschwächt hat, ist das Ego des Regimes noch größer geworden. schließlich existiert es noch. Gibt es ein Abkommen, kann sich das Regime halten und die Bevölkerung weiter durch die Hölle gehen. Ohne Abkommen wird das Land weiter zerstört leiden wird auch hier die Bevölkerung.
Der Westen interessiert sich für Spritpreise
Bitter beschwert sich die Autorin, dass sich der Westen vor allem um Spritpreise kümmert. Vergessen ist, dass das Regime im Januar Zehntausende niedermetzelte und weiterhin Menschen willkürlich hinrichtet. Geblendet von der verständlichen Aversion gegen Trump und der der vermeintlich strategische klugen Iraner vergessen manche die Verbrechen des Regimes. Die Idee eines Regierungswechsels mit positiven Auswirkungen sit gescheitert – auch deshalb feiert sich das Regime in Teheran.