In den letzten Tagen hatte Trump mit selbst für seine Verhältnisse heftigen Ausdrücken Iran mit der totalen Zerstörung gedroht, sollten sie nicht die Straße von Hormus öffnen. In letzter Minute gelang es, einen Waffenstillstand zu vereinbaren. Die meisten Beobacher sehen aber eher den Iran als Sieger.
5 Erkenntnisse aus der Nacht, in der die Apokalypse ausblieb
Im Focus beschreiben FLorian Festl und Sebastian Scheffel über Erkenntnisse.
1. Das iranische Regime ist der Gewinner dieser Nacht
Das Mullah-System ist immer noch handlungsfähig.. Die Machthaber feiern sich nach Ausrufung der Waffenruhe für weitreichende Erfolge und einen dubiosen Zehn-Punkte-Deal. Nach Wochen unter Dauerfeuer haben die Revolutionswächter nun Zeit, sich neu zu sortieren.
2. Trumps Kriegsziel ist mehr denn je ein Rätsel
Vor dem Krieg versprach er der Bevölkerung Hilfe, jetzt wollte er Iran in die Steinzeit bomben. Auch nach einem Monat kann Trump nicht sagen, was seine Ziele sind, die jetzt angeblich erfüllt sind.
3. Die USA und Israel haben sich in wichtiger Frage entzweit
Israels Ministerpräsident Netanjahu bombt weiter gegen die im Libanon agierende Hisbollah und auch für seinen Iran-Feldzug hat er Unterstützung. Trump schadet der Angriff innenpolitisch, die Partner sind und bleiben uneins.
4. Märkte vor Menschen: Trump ist politischer Daytrader
Nach Trumps Ankündigung steigen die Börsen stiegen und der Ölpreis sank – offensichtlich das wichtigste Ziel von Trump. Er kann Verhandlung, aber nicht Diplomatie und Strategie. So ist keine seiner Lösungen von Dauer. Unklar ist auch, wie es weitergeht, die nächste Eskalation ist zu befürchten.
5. Der Öl-Handel wird wahrscheinlich nie wieder wie früher
Die USA lassen sich auf den Deal ein, um die Blockade zu beenden. Iran darf zukünftig Gebühren verlangen und verdient Geld, um die Kriegskasse zu füllen. Freie Schifffahrt wie früher wird es nicht geben, der Handel der Zukunft wird ein anderer sein.
Damit bleibt die Erkenntnis: Eine Blockade zahlt sich aus. Andere Staaten wie China werden das aufmerksam registrieren- Nachahmung nicht ausgeschlossen.
Waffenruhe in Nahost: Ein Krieg, der für Trump nicht zu gewinnen ist
Mathieu von Rohr zieht im SPIEGEL ein ähnliches Fazit: für den US-Präsident ist das vorläufige Ergebnis seines Feldzugs eine strategische Niederlage.
Ernüchternde Bilanz
Für die von Trump verkündete Waffenruhe musste Iran nur ein Preis bezahlen: Die Öffnung der Straße von Hormus, die vor dem Krieg eine international frei befahrene Seeroute war. Sie bleibt unter iranischer Kontrolle, der gemeinsam mit dem benachbarten Oman Geld für die Durchfahrt kassieren dürfte. Noch ist vieles unklar, beide Seiten verkaufen den Deals als Sieg, aber zahlreiche Kriegsziele wurden verfehlt: Das Nuklearprogramm existiert weiter, das Regime ist an der Macht und auch die Terrorgruppen wirken intakt.
Der Krieg war von Anfang an strategisch nicht durchdacht.
Irans Zehnpunkteplan als Grundlage für die Verhandlungen lesen sich wie eine Aufforderung zur Kapitalisation. Auch wenn Trump nicht alles akzeptieren wird, kann sich der Iran zurecht als Sieger fühlen. Mit den wahnwitzigen Drohungen hat Trump nicht nur seine Macht, sondern auch seine Grenzen definiert. Manche sehen bereits Ähnlichkeiten zu 1956 als Großbritannien und Frankreich ihre Intervention am Suez-Kanal abbrechen mussten.
Wirtschaftliche Folgen entscheidend
Es war wohl der Ölpreis, der Trump zum einlenken brachte. Die Energiekrise erzeugte Druck, dem Trump nicht standhalten konnte: Ein Präsident, der Amerika mit dem Versprechen billiger Energie regieren wollte, hatte sich in einem Wahljahr noch unpopulärer gemacht, als er es ohnehin schon war.
Iran sitzt am längeren Hebel
Es bleiben nun zwei Wochen, um in Pakistan zu einer Abschlussvereinbarung zu kommen. Teheran sitzt dabei am längeren Hebel und hat gelernt: Amerika weicht bei genügend Druck zurück – und man kann die Weltwirtschaft als Geisel nehmen. Der Autor ist skeptisch, ob eine tragfähige Lösung zustande kommt: Wahrscheinlicher ist: Die Region bleibt instabil und der nächste Konflikt kommt.