Sonntag, 15. Mai 2022

Frauen in Afghanistan – Zeit der Dunkelheit

In einem Kommentar in der Süddeutschen Zeitung beklagt Tobias Matern die Taliban in Afghanistan – und die fehlende Reaktion des Westens.

Die Taliban drehen die Uhren zurück

Die Hoffnung, dass die Taliban weniger streng sind als bei ihrer Schreckensherrschaft in den 90er Jahren hat sich als Illusion erwiesen: Die Taliban berauben die Frauen wieder systematisch ihrer Rechte, sogar die Burka ist wieder Pflicht. Die Bewegungsfreiheit und Bildungsmöglichkeit wurden eingeschränkt, sogar im Fernsehen müssen Moderatorinnen eine Gesichtsmaske tragen.

Afghanistan-Apathie im Westen

Der Westen zeigt nur wenig Kritik am weitgehenden Ausschluss von Frauen aus dem öffentlichen Leben, Internationale Gemeinschaft hat andere Sorgen. Der Einsatz des Westens steht im Lehrbuch für fehlgeschlagene Interventionen an besonders prominenter Stelle. Den kleinlauten Verweis auf die erreichten Fortschritte für Frauen und Mädchen hat nun auch seine Berechtigung verloren.

Der Mut der Frauen von Kabul

Im Mut der Frauen sieht Tobias Matern einen Hoffnungsschimmer: "Es trauen sich in Kabul noch Frauen auf die Straße, sie demonstrieren für ihre Rechte und gegen die Taliban-Erlasse. Auch wenn es kleine Gruppen sind, ihr Mut ist bemerkenswert, weil sie bewaffneten Taliban gegenüberstehen.“
Auf den Westen können sich die Frauen leider nicht mehr verlassen. „Aber kann vielleicht gerade deshalb aus diesen Gruppen eine Bewegung werden, können die Frauen den Widerstand anführen und den Wandel in Afghanistan einleiten? An diesen Fragen wird sich zeigen, ob 20 Jahre Frauen-rechte, Schule und erste Schritte zur Selbstermächtigung nicht doch etwas verändert haben.“