In einem Kommentar im SPIEGEL würdigt Özlem Topcu die mutigen Frauen des Irans. Was die Iranerinnen gerade vollbringen, ist etwas sehr Seltenes: eine menschliche und politische Höchstleistung
Wochenlanger Protest
Der gewaltsame Tod von Jina Mahsa Amini, die angeblich ihr Haar nicht richtig bedeckte, hat eine Welle von Protesten ausgelöst, die immer weitere Kreise zieht. Sie fordern das Regime heraus Frauen und Männer hebeln gerade gemeinsam die Logik des Systems aus, wonach der muslimische Mann Komplize dabei ist, die Frau über die Kontrolle ihres Körpers zu beherrschen.
Der Westen muss seine Politik hinterfragen
Gefordert ist auch der Westen: Er muss Haltung zeigen gegen ein Regime, das mit der Bombe droht und mit fossilen Brennstoffen lockt. Auch wenn die außenpolitischen Möglichkeiten begrenzt sind, darf der Westen die Chancen nicht kleinreden. Die Proteste zeigen auch, dass ein Land mehr ist als die Regierung, in diesem Fall „als bärtige alte Männer der Vergangenheit, die sich nur mithilfe äußerster Repression an der Macht halten können.“
Inspirieren die Frauen uns auch hierzulande?
Topçu hofft, dass die Iranerinnen auch Menschen bei uns inspirieren, die Wut über das eigene Land und das politische System etwas geradezurücken, auch wenn die Sorgen über die Inflation und die Gasrechnung größer und der Herbst etwas heißer werden.