Thomas Laschyk und Frederik Malon analysieren im Volksverpetzer den vergessenen Grud für den AfD-Erfolg: Die AfD konnte rechtextreme Nichtwähler gewinnen.
AfD gewinnt von Nichtwählern
Bei der Wahl hat Sachsen-Anhalt sich die AfD auf 43,8 % verdoppelt, die CDU halbiert sich auf 17,2 %. Die Wahlbeteiligung stieg von 60 auf 77,8 Prozent. Den größten Zuwachs erhielt die AfD mit 170.000 von Menschen, die 2021 nicht gewählt haben. Danach folgen die CDU mit 82.000 Stimmen: Die AfD gewinnt vor allem, weil sie Menschen (mit rechten Einstellungen) an die Urne bringt, die vorher zu Hause blieben. Und weil die CDU durch den Rechtskurs von Kanzler Merz politischen Selbstmord begeht.
Aber die SPD hat doch die Arbeiter verloren?
Die SPD verliert seit Jahren bei den Arbeitern – rund zwei Drittel haben in Sachsen-Anhalt AfD gewählt. Dies liegt auch daran, dass sich die SPD programmatisch stärker urbanen Zielgruppen geöffnet hat. Die Autoren betonen, dass es das klassische, homogene Industriearbeitermilieu gar nicht mehr gibt. In den Umfragen ist „Arbeiter“ eine Selbsteinschätzung. Die AfD ist in dieser Gruppe massiv stärker geworden, aber auch in vielen anderen Berufsgruppen.
AfD-Wähler geht es wirtschaftlich nicht schlechter als dem Rest
Die AfD hat besonders stark abgeschnitten bei dene, die sich in einer schlechten finanziellen Situation sehen. Untersuchungen zeigen, dass dies eher ein subjektives Gefühl ist und häufig nicht stimmt. Die Erzählung „Die Leute wählen AfD, wie es ihnen so schlecht geht“ macht die Wahl der AfD zu einer Art Notwehr. Sie ist außerdem eine Unverschämtheit gegenüber Menschen, denen es finanziell wirklich nicht gut geht.
Nichtwähler als heterogene Masse
Nichtwähler sind eine sehr heterogene Masse. Gründe für Nichtwählen können sehr unterschiedlich sein. Die Leipziger Autoritarismus-Studie zeigt, dass es schon immer Menschen mit einem geschlossenen rechtsextremen Weltbild gab. Waren 2020 nur etwas mehr als die Hälfte wählen, hat sich diese Zahl deutlich erhöht: Die AfD hat viele dieser Menschen mobilisiert, es ist die Aktivierung eines Reservoirs, das immer da war.
Wer übrig bleibt, wenn die Rechtsextremen mobilisiert sind: Mitte-Links
Bei den anderen unentschlossenen Nichtwählern ordnen sich nur wenig als rechts ein. Die AfD hat die rechten abgeholt, die anderen wären also eher von Parteien der Mitte und links zu erreichen. Die Parteien sollten also bei den Nichtwählern nach Zustimmung suchen und nicht versuchen, anderen Parteien die Wähler abzujagen.
Merz-Rechtsruck ist gescheitert
Gescheitert ist der Kurs der CDU rechte Positionen zu besetzen, in der Hoffnung AfD-Wähler zu gewinnen. Trotz aller Maßnahmen und rückläufiger Asylbewerberzahlen hat die CDU verloren. Dieser Befund gilt auch für die anderen Parteien. Wenn nicht einmal die CDU die Wähler rechts der Mitte halten können, schaffen dies SPD, Grüne und Linke durch einen Rechtsruck erst recht nicht. „Menschen wählen die AfD, weil sie die AfD wollen, nicht das original in verwässert“
Unentschlossene erreichen
Die Autoren betonen, dass es immer gut ist, wenn möglichst viele Menschen an Wahlen teilnehmen. Die AfD hat erfolgreich Nichtwähler mobilisiert, die anderen können dies tun. Die Aufgabe von SPD, Grüne, Linke und CDU ist es nun, die eigenen Potentiale bei Nichtwählern und Unentschlossenen zu suchen nicht den nächsten Rechtsruck potentiellen AfD-Wählern zu gefallen. „Überzeugt mit eigenen, demokratischen Ideen. Nur bitte nicht noch mehr ängstlich auf die AfD starren.“