Montag, 27. Juli 2020
Zwischen Gut und Böse - die Bill & Melinda Gates Stiftung
Dienstag, 7. Juli 2020
Die Weltgesundheitsorganisation als Spielball zwischen USA und China
Spielball zwischen USA und China
In der ARTE-Dokumentation werden verschiedene Seiten betrachtet. Die Geschichte mit unbestreitbaren Erfolgen wie der Ausrottung der Pocken, über die massive Kürzung der Pflichtbeiträge hin Corona-Krise, in der sich die WHO vorwerfen lassen muss, Sprachrohr Chinas zu sein.
Eine tolle Dokumentation – absolut sehenswert!
Ergänzung: Das Video ist leider nicht mehr auf Youtube und ARTE verfügbar. Deshalb hier die Beschreibung:
Die WHO ist wegen der Corona-Pandemie in die Kritik geraten. Besonders US-Präsident Donald Trump schoss scharf gegen die Weltgesundheitsorganisation. Doch Vorwürfe kommen nicht nur aus den USA.
Als die Corona-Pandemie erstmals im Dezember vergangenen Jahres in der chinesischen Millionenstadt Wuhan auftauchte, blieb die Reaktion im Rest der Welt zunächst verhalten. Vor allem die Weltgesundheitsorganisation WHO war es, die zu Beginn der Epidemie Chinas verharmlosender Krisenberichterstattung Glauben schenkte. Erst Ende Januar 2020 erklärte sie Corona zur "Gesundheitlichen Notlage internationaler Tragweite". Viel zu spät, wie die weltweiten Auswirkungen bis heute zeigen.
Die 1948 gegründete Organisation wurde von zahlreichen Staaten daraufhin beschuldigt, die internationale Reaktion verzögert zu haben. Vor allem von US-Präsident Donald Trump kamen giftige Pfeile. Er hatte nicht nur die Einstellung der US-Zahlungen an die WHO veranlasst. Inzwischen droht er offen mit einem Austritt seines Landes aus der Organisation. Trump bezeichnete die in Genf in der Schweiz ansässige WHO zudem als "Marionette" Chinas.
Der Film von Anthony Dufour und Pierre Haski untersucht den Vorwurf, dass die internationale Organisation immer mehr einem Sprachrohr Pekings gleiche. Tatsächlich gibt es Auffälligkeiten – vor allem finanziell. So haben die USA nach Angaben der US-Vertretung in Genf im vergangenen Jahr rund 453 Millionen US-Dollar an die WHO gezahlt. Das ist nach US-Berechnungen zehnmal so viel wie China. Und für dieses sowie kommendes Jahr sind vonseiten der USA jeweils fast 116 Millionen US-Dollar an die WHO fällig. Chinas Beitrag hingegen liegt für diese beiden Jahre bei jeweils nur rund 57 Millionen US-Dollar.
Ein Grund für diese finanzielle Schieflage in dreifacher Millionenhöhe sei unter anderem, dass Peking die WHO in den vergangenen rund 20 Jahren unterwandert hätte – so jedenfalls ein Vorwurf der WHO-Kritiker. Sie behaupten zudem, dass die zunehmende Einflussnahme Chinas die Organisation aus dem Gleichgewicht gebracht hätte. Die Auswirkungen unter anderem einer intransparenten Finanzierung erscheinen fatal. So zeigt die Dokumentation auch auf, dass zuletzt zahlreiche Stimmen vor den Problemen bei der WHO gewarnt hatten.
Mittwoch, 1. Juli 2020
Die Weltgesundheitsorganisation in der Kritik
Die Organisation war mitbeteiligt an der Ausrottung der Pocken und der Entwicklung von Impfstoffen gegen Malaria und Kinderlähmung.
Fehler in der Corona-Krise
In der Corona-Krise jedoch muss sich die WHO schwere Vorwürfe gefallen lassen. Sie hat frühzeitige Hinweise aus Taiwan ignoriert und Chinas Interpretation ungeprüft übernommen. Erst am 11. März, als der Virus bereits in vielen Ländern Tote gefordert hat, folgte die Klassifikation als Pandemie.Reformieren und nicht davonlaufen
Der Austritt der USA ist dennoch der falsche Weg. Trump lenkt vom eigenen Versagen ab. Die USA waren bisher größter Beitragszahler – vor der Bill & Melinda Gates Stiftung – und werden die Dominanz durch China noch erhöhen. Außerdem ist dadurch kein Problem gelöst – im Gegenteil.Ist die EU am gesundbeten?
Die Europäische Union kritisiert den Ausstieg der USA und die WHO. Sie hat angekündigt, Reformvorschläge zu machen, denn sie sieht in der WHO eine wichtige Rolle bei der gerechten Verteilung möglicher Medikamente und ImpfstoffeOb ihr das gelingt? Paul-Anton Krüger ist in der Süddeutschen skeptisch: "Die Appelle aus Europa, das Beschwören von Multilateralismus und einer regelbasierten internationalen Ordnung, wirken unbenommen ihrer inhaltlichen Berechtigung fast so hilflos, als wollte man die Corona-Krise mit Gesundbeten bewältigen."
Eine starke, unabhängige WHO
Dabei ist die Weltgesundheitsorganisation gerade jetzt wichtig, wie Thomas Schwarz vom Geneva Global Health Hub betont:„Wir möchten eine starke, unabhängige WHO, die öffentliche Gesundheit vertritt. Die das Menschenrecht auf Gesundheit gegenüber kommerziellen Interessen einfach verteidigt. Die an den Grundlagen der Gesundheit und an den krankmachenden Verhältnissen arbeitet und da eine starke Stimme ist. Die in diesen globalen politischen Prozessen selbstbewusst eine Führungsrolle inne hat.“
Weitere Informationen
Deutschlandfunk: Unabhängigkeit der WeltgesundheitsorganisationSüddeutsche: Angeschlagene Weltgesundheit
Süddeutsche: Die Zerreibprobe
Sonntag, 28. Juni 2020
Corona-Stresstest für Krankenhäuser bestanden?
Marktgesetze machen Beteiligten das Leben schwer
Ich habe in diesem Blog bereits über das Gesundheitswesen berichtet und das Streben nach Effizienz verteidigt. Manche Auswüchse sind aber schwer zu ertragen. Wenig lukrative Abteilungen werden heruntergefahren, um damit geldbringenden Stationen Vorrang zu geben. Besonders entsetzt hat mich, dass in einem Fall eine Abteilung für Menschen mit Behinderungen geschlossen wurden – eine Maßnahme, die zum Glück wieder rückgängig gemacht wurde.Markt macht Medizin
Mittwoch, 17. Juni 2020
Die Anstalt - Was läuft schief in unserem Gesundheitssystem?
Die Folgen der Ökonomisierung im Gesundheitssystem
In der Sendung werden zahlreiche Fehlentwicklungen aufzeigt, die auch im Faktencheck nachzulesen sind.Einige „Highlights“
Ärzte und Pfleger gelten im ökonomisierten Krankenhaussystem als Kostenfaktoren mit 15% Rendite. Der Vorwurf, dass vor dem Fallpauschalensystem die Kosten explodiert sind, stimmen nicht: Die Ausgaben für das Gesundheitssystem sind die letzten Jahrzehnte immer gleich geblieben. Sie betragen im Verhältnis zur Wirtschaftskraft konstant 6,5%. Scharf kritisiert werden auch Bertelsmann und Co., die mit fragwürdigen Methoden die Ökonomisierung des Krankenhauswesens vorangetrieben haben.Zu viele Krankenhäuser?
Ein interessanter Aspekt ist auch, dass bis vor kurzem viele die Schließung von Krankenhäusern gefordert haben – auch Karl Lauterbach, der derzeit in vielen Talkshows zu sehen ist: „Jeder weiß, dass wir in Deutschland mindestens jede dritte, eigentlich jede zweite, Klinik schließen sollten. Dann hätten wir anderen Kliniken genug Personal, geringere Kosten, bessere Qualität, und nicht so viel Überflüssiges. Länder und Städte blockieren“.Newton und Merkel stellen das neue Gesundheitssystem vor
Köstlich auch das Finale mit Merkel und Newton, in dem sie das neue Gesundheitssystem vorstellen, u.a.- Abschaffung des Fallpauschalensystems
- Öffentliche Hand kehrt zurück zur Finanzierung des Krankenhaussystems
- 10 Mrd. für ein Rettungspaket für Pfleger anständige Löhne, die sich nur noch um 5 Patienten kümmern müssen
- Gesundheitsökonomen sollen die Regale einräumen
- Alle Minister spenden 20 % ihres Gehalts wie in Neuseeland
Mittwoch, 10. Juni 2020
Unser Gesundheitssystem - die Finanzierung
Es wird viel Geld ausgegeben
Das Gesundheitssystem wird nicht kaputtgespart, im Gegenteil sind die Ausgaben in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Nach der USA und der Schweiz geben wir pro Kopf weltweit am meisten Geld aus. Die USA und teilweise auch Deutschland zeigen, dass das Geld nicht unbedingt das einzige Kriterium für ein leistungsfähiges Gesundheitssystem ist.Fallpauschalen als Ursache für viele Probleme
Viele Beobachter*innen sehen in der Einführung von Fallpauschalen eine Ursache für die aktuelle Probleme. Dies ist auch nicht von der Hand zu weisen: Hohe Preise für vermeintlich lukrative Operationen haben dazu geführt, dass eher künstliche Hüftgelenke eingesetzt werden und selbst an Schwerkranken noch Operationen vorgenommen werden, damit die Kasse stimmt.Einfach zurück geht nicht
Man sollte aber das Finanzierungssystem der Vergangenheit nicht idealisieren. In der Zeit vor den Fallpauschalen wurden Krankenhäuser für belegte Betten bezahlt. Während wir jetzt „blutige Entlassungen“ haben (das heißt wirklich so), gab es damals den finanziellen Anreiz, Menschen lieber ein Tag länger im Krankenhaus zu belassen, wenn das Bett nicht neu belegt werden konnte.Gesundheit ist kein Produkt wie viele anderen
Die Forderung nach effizientem Arbeiten auch im Gesundheitssektor ist durchaus gerechtfertigt. Effizient arbeiten bedeutet, ein Ziel oder Ergebnis mit einem möglichst geringen Einsatz zu erreichen. Die Frage ist aber, ob die Methoden der letzten Jahre hilfreich waren, denn Gesundheit ist (zum Glück) kein Wirtschaftsgut wie jedes andere. Es ist möglich immer schneller immer bessere Autos bauen, bei der Pflege eines Menschen ist dies (zum Glück) nicht möglich. Hier brauchen wir dringend ein Umdenken.Wir müssen (noch) mehr Geld ausgeben
Die Corona-Krise wird hoffentlich bald vorbei sein, die Probleme des Gesundheitssystem bleiben. Die Pfleger*innen werden sich zurecht nicht mit dem Applaus zufriedengeben und mehr Geld fordern. Werden wir bereits sein, durch höhere Steuern und Abgaben diesen Wunsch zu erfüllen?Freitag, 5. Juni 2020
Unser Gesundheitssystem - Grundlagen
Ein emotionales und umstrittenes Thema
Es ist ein emotionales Thema, denn was ist schon wichtiger als die (eigene) Gesundheit. Das Thema beschäftigt mich seit vielen Jahren, seit sich ein Teilnehmer einer Bildungswerkstatt nach der Lektüre des Buchs „Die letzte Flucht“ von Wolfgang Schorlau das Thema gewünscht. Schorlau beschäftigt sich mit den Machenschaften und stellt dazu zahlreiche Materialien zur Verfügung.Hohe Ausgaben und hohe Erwartungen
375 Mrd. Ausgaben - rund 12 % des Bruttoinlandsprodukts – die Summe, die ins Gesundheitssystem sind beeindruckend. Pro-Kopf gesehen leistet sich Deutschland nach USA und der Schweiz das teuerste System. Dennoch haben viele (alle?) der rund 7 Millionen Beschäftigten im System den Wunsch, einen größeren Teil des Kuchens zu bekommen.Besonderheiten des Gesundheitssystem
Das deutsche Gesundheitssystem zeichnet sich durch einige Besonderheiten aus. Historisch begingt ist die Unterscheidung zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung, die sich in Aufbau, Finanzierung und Struktur unterscheiden. Rund 71 Millionen in Deutschland sind Mitglied in einer 109 gesetzlichen Krankenversicherungen. Sie zahlen ihren Beitrag nach Einkommen und haben den gleichen Leistungsanspruch. Die Privatversicherten können zwischen unterschiedlichen Tarifen wählen und zahlen Prämien nach Kriterien wie Alter, Gesundheitszustand und Beruf.Weitere Besonderheiten sind die Trennung zwischen ambulanter und stationärer Behandlung und ein kaum durchschaubares System der Selbstverwaltung.
Weitere Informationen
Bundeszentrale für politische Bildung: Dossier GesundheitswesenSozialpolitik aktuell: Gesundheitswesen