Annika Brockschmidt hat in ihrem Buch Amerikas Gotteskrieger die religiöse Rechte analysiert und zeichnet ein düsteres Bild über die Zukunft der US-Demokratie. In einem Beitrag in der Frankfurter Rundschau und einem Artikel für die Blätter für deutsche und internationale Politik fasst sie wichtige Erkenntnisse zusammen.
Die Verbindung christlicher Nationalisten und Rassisten
Am 6. Januar 2021 marschierten betende Menschen neben radikalen Nationalisten und Rassisten, um Politikern nach dem Leben zu trachten? Brockschmidt macht deutlich, dass sich hierbei um eine seit langem geschmiedete Allianz handelt.
Die Spur des Christlichen Nationalismus zieht sich durch die amerikanische Geschichte. Rassismus ist das verbindende Element mit den White Supremacists. Sie sind eine straff organisierte Bewegung:
Der Christliche Nationalismus wie auch die Religiöse Rechte in den USA sind zutiefst politisch, mit realen Machtambitionen und dank Großspendern mit scheinbar unerschöpflichen finanziellen Mitteln gesegnet.
Die Verbindung bleibt mächtig
Unabhängig von seiner Rolle in der Republikanischen Partei – Trumps Erbe, die „Große Lüge“ von der gestohlenen Wahl, wird bleiben und die Basis motivieren.
Sie zeichnen sich durch eine große Treue aus: Wer erwartet hatte, dass Weiße Evangelikale Trump 2020 nach vier Jahren skandalträchtiger Regierungszeit nicht mehr die Treue halten würden, wurde eines Besseren belehrt: 2020 stimmten mit 84 Prozent mehr von ihnen für Trump als noch 2016.
Die Macht des Mythos von der »verlorenen Amtszeit«
Die Ablehnung der Realität durch eine der beiden großen Parteien ist ein böses Omen für die Zukunft der amerikanischen Demokratie. Die Lüge vom Wahlbetrug liefert Wahlverlierern die Rechtfertigung, Macht außerhalb der demokratisch vorgesehenen Prozesse an sich zu reißen.
Die Totenglocken der US-Demokratie
Auf abstruse Weise verändern von den Republikanern beherrschte Bundesstaaten die Wahlregeln:
- Wahlkreise (Gerrymandering) werden so verändert, dass Republikaner auch ohne Stimmenmehrheit mehr Sitze gewinnen
- Schwarzen wird die Wahl erschwert durch die Reduzierung von Wahllokalen und Veränderungen der Registrierung
- In einigen Staaten bestimmen die Parlamente über die Wahlmänner. Sie könnten somit das Wahler-gebnis der Bevölkerung ins Gegenteil verkehren.
Das Ende der Demokratie
Brockschmidt zitiert ein Szenario, das beängstigend realistisch erscheint: „Die Republikaner gewinnen das Repräsentantenhaus und den Senat 2022, teils dank Wählerunterdrückung. Der republikanische Kandidat verliert 2024 das popular vote um ein paar Millionen Stimmen und das electoral vote um ein paar wenige Staaten. Die Legislativen in den Bundesstaaten behaupten, es handle sich um Betrug, und ändern die Ergebnisse des Electoral College. Repräsentantenhaus und Senat akzeptieren das veränderte Ergebnis. Der unterlegene Kandidat wird Präsident. Wir haben keine ‚demokratisch gewählte Regierung‘ mehr."
Der Kampf hat bereits begonnen
Noch ist es nicht so weit, einige Ereignisse zeigen, dass der Krieg bereits begonnen hat. Bidens Wahlrechtsreform ist gescheitert, außerdem ist ein Kampf an anderen Fronten im Gange: den um die Geschichte und die Interpretation von rassistischen Morden, der Kampf um Rechte LGBTQIA-Menschen und das Abtreibungsverbot. Zusätzlich zu Bidens offensichtlichen Fehlern wahrlich keine guten Aussichten.