Freitag, 22. Oktober 2021

Die Sondierungsergebnisse - das soll Aufbruch sein?

Alan Posener geht in der ZEIT hart mit den Sondierungsergebnissen ins Gericht: Das soll Aufbruch sein? Er befürchtet eine mutlose Regierung: "Geschenke für jedes Klientel: Die Ampel will Geld ausgeben, das nicht da ist. Wo schnelles Handeln nötig ist, bleibt man im Ungefähren. 

Leere Worte statt Aufbruche 

Die Regierung verspricht viel auf Gebieten, auf denen sie nicht zuständig ist. Sie verspricht eine digitale und agile Verwaltung, die aber Aufgabe der Länder und Kommunen ist. Dort wo Handeln notwendig wäre, bleibt das Papier vage bzw. schließt vieles aus: Steuererhöhung, Vermögenssteuer, Abschaffung privater Krankenversicherung, Verlängerung der Lebensarbeitszeit - für alle ist was dabei. 

Feel-Good-Maßnahmen ohne Ende  

Der Verzicht auf das Tempolimit und die Streichung des Begriffs Rasse sieht Posener als Versprechen an die jeweilige Klientel, ohne dass dadurch Probleme gelöst werden. Im Einklang mit Umweltverbänden kritisiert er die Klimapolitik, die fast ohne konkrete Maßnahmen auskommt. Auch in der Sicherheitspolitik bleiben viele Fragezeichen: Russland und China werden gar nicht erwähnt, auch die Europapolitik bleibt ambitionslos. 

Ruhe vor dem Sturm 

Posener hält die Freundlichkeit der Koalitionäre für die Ruhe vor dem Sturm. Vor allem für Scholz sieht er Probleme, wenn er nicht nach dem Parteivorsitz greift. Wer nicht Herr im eigenen Haus ist, kann nicht eine Koalition führen; zumal eine Koalition, deren Programm so unambitioniert und zugleich unrealistisch, finanz- und umweltpolitisch unzureichend, europapolitisch problematisch und außenpolitisch traumtänzerisch ist wie jene, die er gerade zusammengezimmert hat. Aber auch die anderen Koalitionäre kritisiert er: Sie haben gezeigt, dass sie lieber schlecht regieren wollen als gar nicht.

Dienstag, 19. Oktober 2021

Die Pläne der Ampelkoalition - das Sondierungspapier

Die Süddeutsche Zeitung berichtet über die wichtigsten Ergebnisse des Sondierungspapiers von SPD, Grünen und FDP.

Den Staat digitalisieren, die deutsche Einheit vollenden 

Eines der größten Ziele steht ganz am Anfang des Papiers "ein digitaler Staat, der vorausschauend für die Bürgerinnen und Bürger arbeitet: beschleunigte Verwaltungs- und Genehmigungsverfahren und eine Neuordnung der Kompetenzen - das könnte ein Digitalministerium bedeuten. 

Früher aus der Kohle raus, kein Tempolimit 

Mit der Aufgabe eines Tempolimits haben Grüne und SPD bereits jetzt eine wichtige Forderung gekippt, vage bleiben dagegen die Maßnahmen, um den Pariser Klimavertrag einzuhalten. 2022 soll es ein Klimaschutz-Sofortprogramm beschlossen werden. Der Kohleverstromung soll idealerweise früher beendet werden. 

Höherer Mindestlohn im ersten Jahr 

Das wichtigste Versprechen hält die SPD - der Mindestlohn soll bereits im nächsten Jahr auf 12 Euro steigen. Reformen sind auch bei Mini- und Midijobs geplant. Für die Arbeitswelt ist ein "Gleichklang von Sicherheit und Flexibilität" geplant. 

Bürgergeld statt Hartz IV 

Ebenfalls durchgesetzt hat sich die SPD bei der Sicherung der Renten - das Rentenniveau und die Beiträge sollen gleichbleiben. Anstelle von Hartz IV soll ein Bürgergeld treten - offen ist noch, ob dies nur ein neuer Name oder auch prinzipielle Änderungen mit sich bringt. 

Starke Kinderrechte ins Grundgesetz 

Eine grüne Handschrift tragen die Forderungen bei der Familienpolitik. Ein eigenständige Kindergrundsicherung und "starke Kinderrechte" im Grundgesetz sollen kommen. 

400.000 neue Wohnungen 

Jedes Jahr sollen 400.000 neue Wohnungen entstehen - ein Viertel davon durch öffentliche Förderung. Regelungen zum Schutz von Mietern sollen "evaluiert und verlängert" werden. 

Ein modernes Einwanderungsland 

Deutschland ist ein modernes Land mit großer Vielfalt und unterschiedlichen Lebensentwürfen - die Rechtsordnung soll entsprechend angepasst werden, u.a. durch ein modernes Staatsangehörigkeitsrecht. 

Forschen und Gründen 

Mehr Geld für Forschung und bessere Chancen für Gründer: dadurch soll der Wirtschaftsstandort Deutschland wettbewerbsfähiger werden. 

Internationale Politik

Die geringsten Änderungen sind in der internationalen Politik zu erwarten. Alle drei Koalitionspartner bekennen sich zur EU, NATO und zur deutsch-französischen Partnerschaft. Änderungen des Stabilitäts- und Wachstumspakt lehnen die Partner ab. 

Donnerstag, 7. Oktober 2021

Die Ergebnisse der Bundestagswahl II

Auf zwei Besonderheiten der Wahl möchte ich in diesem Blog eingehen: Das überraschend gute Ergebnisse der FDP bei jungen Wähler*innen und - nicht ganz so überraschend - Gründe für das gute Abschneiden der AfD im Osten. 

Die FDP und die jungen Wähler 

Bei den Erstwähler*innen ist die FDP bei 23 %, gleichauf mit den Grünen. Während das gute Ergebnis der Grünen erwartet wurden, waren viele über das FDP-Ergebnis überrascht. Der SPIEGEL nennt Gründe für den Erfolg bei jungen Leuten:

  • Die Corona-Krise hat die Schwächen im Bildungssystem und in der Digitalisierung deutlich aufgezeigt: hier konnte die FDP punkten.
  • Der Erfolg für Grüne und FDP ist auch eine Absage an die große Koalition, die bei jungen Wählern nur auf 15 % (SPD) bzw. 10 % (Union) kamen.
  • Umweltschutz ist vielen jungen Menschen wichtig, einige setzen aber wie die FDP eher auf den Markt als auf Verbote
  • Nicht zuletzt war die FDP stark auf sozialen Medien präsent und hat dabei offensichtlich viele junge Wähler*innen angesprochen. 

Die AfD als Lega Ost?

Die AfD wurde in Sachsen und Thüringen stärkste Partei und konnte 16 Direktmandate gewinnen. Kommentare sehen die Partei als Lega Ost, da sie im Westen deutlich schlechter abgeschnitten hat und auch insgesamt an Stimmen verloren. Als Gründe für den Wahlerfolg im Osten werden in der TAZ, Stern und Deutschlandfunk genannt: 

  • Die Sehnsucht nach einer Führungsfigur
  • Die schwache Basis der Volksparteien, die AfD konnte deshalb als "Kümmererpartei" punkten 
  • Verfestigte Strukturen: Viele Menschen wählen die AfD mittlerweile aus Überzeugung, der Ostbeauftragte Marko Wanderwitz hält nur wenige für "potentiell rückholbar" 

Die Stärke der AfD liegt auch an der Schwäche der CDU, Kanzlerkandidat Laschet war wie im Westen nicht sehr beliebt. Für die CDU ergibt sich daraus ein strategisches Dilemma, da sowohl der Versuch von Hans-Georg Maaßen mit einer Annäherung als auch Marko Wanderwitz mit einer strikten Abgrenzung letztlich gescheitert sind. 

Dienstag, 28. September 2021

Die Ergebnisse der Bundestagswahl I

Die Wahl ist gelaufen. Die meisten Stimmen hat die SPD mit 25,7 % erreicht. Dahinter folgt CDU/CSU mit 21,1 % und deutlichen Verlusten.  Die Grünen landen auf dem dritten Platz mit 14,8 Prozent. Die FDP liegt bei 11,5 Prozent, gefolgt von der AfD mit 10,3 Prozent. Die LINKE bekommt 4,9 Prozent der abgegebenen Stimme.

Die Seite der Landeszentrale für politische Bildung zur Bundestagswahl hat eine Übersicht über Ergebnisse und Folgen: 

Sie verweisen auf interessante Zahlen: 

Der Frauenanteil hat sich auf 34,7 % erhöht. Dabei gibt es große Unterschiede zwischen den Fraktionen: Während der Anteil bei den Grünen und den Linken über 50 % liegt, sind es bei der AfD nur 13 %. 

Entscheidende Themen: Für 28 % war die soziale Sicherheit das entscheidende Thema, dahinter folgen mit je 22 % Umwelt und Wirtschaft. Nur für 7 % war der Umgang mit Corona wahlentscheidend. 

Neue Regierung 

Da SPD und CDU/CSU eine Neuauflage der Großen Koalition ablehnen, wird es wohl eine Koalition zwischen drei Parteien geben. Diskutiert wird über eine Ampel-Koalition (SPD, Grüne, FDP) und eine Jamaika-Koalition (Union, Grüne, FDP). 

Montag, 13. September 2021

Was Angela Merkel erreicht hat - und was nicht

Als Reformkanzlerin wollte Merkel einst in die Geschichte eingehen. Gleich zu Beginn ihrer Regierungszeit lieferte sie eine schonungslose Analyse ab, woran es fehlt in Deutschland. Doch nur wenige ihrer Aufgaben hat sie erledigt, so Cerstin Gammelin in einem Essay in der Süddeutschen Zeitung.

Krisenkanzlerin aber keine Reformkanzlerin

In Merkels Amtszeit fallen beispiellose Krisen: Banken, Finanzen, Euro, Flüchtlinge, Corona. In diesen Krisen hat sie viel richtig gemacht, auch die Wirtschaft hat sich gut entwickelt.
Beim Ziel Klimakrise hat sie hohe Erwartungen geschürt, passiert ist nicht viel. Das Ziel „Reform-kanzlerin“ hat sie erst gar nicht versucht, obwohl das am Anfang ihr großes Ziel war. Gammelin vergleicht Merkels Analyse 2006 mit der Situation heute und kommt zu keinen schmeichelhaften Ergebnissen

Innovationen

Viele Innovationen sind von deutschen Forschungsinstituten entwickelt worden, das Geschäft machten andere – heute hinkt Deutschland vor allem bei der Digitalisierung weit hinterher

Finanzen und Steuern

Hier hat sich die Regierung nur bewegt, wenn sie das Bundesverfassungsgericht aufgefordert hat wie bei der Grund- und Erbschaftssteuer, ansonsten Stillstand. Umso heller der Arbeitsmarkt, der sich bis zur Corona-Krise außerordentlich gut entwickelt hat.

Bürokratie

Merkels Kritik an der Bürokratie am Anfang müsste sie heute wieder stellen: Faxgeräte in Gesundheitsämtern, undurchsichtige Abläufe, komplizierte Antragsformulare. Daran ist Merkel nicht alleine schuld, ihr Ziel hat sie deutlich verfehlt.

Klima

Nicht besser sieht es beim Thema Klima aus. Die Laufzeiten von Atomkraftwerken verlängert sie, um diese Entscheidung kurz nach Fukushima wieder zurückzunehmen. Die Energiepolitik kritisiert Ifo-Chef Fuest als chaotisch, extrem teuer und dirigistisch.

Mit großem Eifer gestartet, dann aber nur verwaltet

Gammelin zieht eine negative Bilanz: "Die Kanzlerin ist mit großem Eifer gestartet, hat aber zunehmend verwaltet und wenig vorangebracht. Sie war mit den Krisen ausgelastet, hat deren Momentum aber nicht genutzt, um die Aufgaben voranzutreiben, die sie 2006 selbst gestellt hat."


Mittwoch, 8. September 2021

Videos zur Bundestagswahl

Im YouTube Kanal Einfach wählen gehen, den ich gemeinsam mit Partner*innen zur Landtagswahl erstellt habe, gibt es nun auch eine Playliste zur Bundestagswahl erstellt. Hier finden Sie interessante Videos zur Wahl.
Dort finden Sie Videos des Bistums Köln, des Bundeswahlleiters und der Landeszentrale für politische Bildung. Ich werde die Liste noch ergänzen

Video von Explainity 

Toll finde ich das Video von Explainity

Donnerstag, 2. September 2021

Die Bundestagswahl - Überblick

In diesem Monat geht es in diesem Blog über die Bundestagswahl. Hierzu habe ich einen eigenen Blog für Menschen mit Behinderungen. Die Informationen sind aber hoffentlich für alle interessant. 

Landeszentrale für politische Bildung 

Auf der Internetseite finden Sie umfangreiche Informationen, unterteilt in verschiedene Reiter: 

  • Wahl 2021: Übersicht, Termine und Fristen und Umfragen 
  • Wahlsystem: Informationen zur Stimmabgabe, dem Wahlrecht, den Reformen und der Sitzberechnung
  • Baden-Württemberg: Parteien und Kandidat*innen in den 38 Wahlkreisen 
  • Parteien und Spitzenkandidierende: Informationen über Kandidaten, Themen, Programme und den Wahlkampf
  • Bundestag: Informationen über Aufgaben und Abgeordnete des Bundestags und der Bundesregierung
  • Angebote: Publikation, Erklärfilme und die Rubrik "Parteien in 150 Zeichen"  
  • Archiv: Blick auf die Wahlen 2013 und 2017

Bundeszentrale für politische Bildung

In der Rubrik Themenseite finden Sie Hintergründe, Unterrichtsmaterial und Erklärvideos. Diese Seite wird fortlaufend aktualisiert.

In der Reihe Was geht?  gibt es Informationen und Material zum bestellen.  

In der Reihe „Einfach Politik“ gibt es eine eigene Rubrik auf der Homepage mit einigen Unterseiten:

  • Der Bundestag - und was er macht
  • Wer darf den Bundestag wählen?
  • Der Wahlkampf
  • Die Qual der Wahl
  • Wie Sie wählen können
  • Wahlen in Deutschland sind demokratisch
  • Was nach der Wahl passiert
  • Warum Sie Ihr Wahlrecht nutzen sollten

Die Bundeszentrale bietet auch zahlreiche Publikationen, u.a. ein Information aktuell