Susmita Arp fordert im SPIEGEL einen „nüchternen Blick auf das Asylsystem“ und kritisiert die unmoralische und inhumane Realität.
Abschiebungen funktionieren nicht
Bei der derzeitigen Debatte scheinen die das Nachsehen zu haben, die für Menschlichkeit eintreten. Abschiebungen sind ein zentraler Pfeiler des Systems, funktionieren aber nicht. 57 % der erwachsenen Asylbewerber haben keine Pässe, bei Tunesiern sind es über 90 %. Auch der Versuch, Migranten in den EU-Staat zu überstellen, der für deren Antrag zuständig ist, scheitert regelmäßig. Abschiebungen treffen die Ehrlichen, die eine Meldeadresse haben.
Man kann die Probleme nicht mit ein paar Reformen beheben
Hunderttausende reisen ein, bei vielen kommt nach einigen Monaten die Ablehnung. Selbst bei beschleunigten Verfahren bleibt das Dilemma, dass die Menschen viele Geld an Schlepper bezahlt haben und doch nicht bleiben können.
Obergrenze als "Survival of the fittest"
Letztlich schaffen es vor allem Menschen, die ausreichend Geld haben und die gefährliche Überfahrt schaffen können. Kein Wunder, dass 80 Prozent der erwachsenen Asylantragsteller Männer sind. Die Obergrenze wird durch die Regierungen der Transitländer durchgesetzt, die sich von der EU dafür bezahlen lassen, dass die Menschen an der Weiterreise hintern.
Humanitäre Hilfe und Arbeitsmigration sind nicht dasselbe
Derzeit kommen Hunderttausende nach Deutschland, die Unterstützung brauchen – Wohnungen, Deutschkurse und oft auch Therapeuten, da sie Traumatisches erlebt haben. Sie in Arbeit zu bringen, ist ein langer Weg und unterscheidet sich von Arbeitsmigration.
Vorbild Kanada mit Großzügigkeiten und Abschreckung
Kanada nimmt jedes Jahr Schutzbedürftige auf, die in Zusammenarbeit mit dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen ausgewählt werden. Gleichzeitig versucht die Regierung, unkontrollierte Migration zu begrenzen. Das mag leichter sein als in Europa, ist dennoch nicht unmoralischer als Deutschland.
Visionen für die Migrationspolitik
Die Autorin nennt Aspekte einer Version für die Migrationspolitik.
- Hilfe für Menschen, die vor Krieg oder politischer Verfolgung fliehen – aber nicht alle, die kommen wollen.
- Großzügige Kontingente bei unkontrollierter Migration durch Abschreckung begrenzen
- Ausländische Fachkräfte sind willkommen. Sie sollten die nötigen Qualifikationen mitbringen und Aussicht auf einen Job haben.
Eine solche Vision ist nicht inhuman, die bisherige Praxis schon.